Parrot AR Drone 2.0 im Test

Heute folgt ein etwas ungewöhnlicher Beitrag. Lang schon haderte ich mit dem Gedanken, mir die AR Drone 2.0 zuzulegen. Jetzt war es soweit. Die Drohne hat in erster Linie nichts mit dem Raspberry Pi zutun, ich bin mir aber sehr sicher, dass in nicht allzu ferner Zukunft, der kleine PC abheben wird. Einige Ideen hätte ich schon.

Zunächst möchte ich aber die Drohne vorstellen und meine ersten eigenen Erfahrungen mit dem Quadrocopter schildern.

Öffnet man den Karton, so fällt sofort die große Indoor Hülle ins Auge.

Inhalt Befestigt man den Styroporschutz auf dem Quadrocopter, so soll dieser vor Schäden an den Rotoren, sowie am Mobiliar des Wohnzimmers bewahren. Styropor? Ja! Zuerst war ich auch etwas entsetzt, hinsichtlich des Preises, den ich für das Spielzeug bezahlen musste. Aber sobald man die Hülle anhebt merkt man, dass das Material kaum etwas wiegt, sowie sehr biegsam ist. Kollisionen mit Wänden und Fernsehern können somit recht glimpflich ausgehen. Nach einem kurzen Indoor- Flug kann ich das bestätigen. Die Drohne prallt sanft von der Wand ab und lässt sicher weiter sicher steuern.

Unter der Indoor-Haube blickt man direkt auf das Herzstück des Pappkartons. Die Drohne.

Auch hier fällt das geringe Gewicht auf und der ebenfalls aus Styropor bestehende Grundkörper. Aus dem Körper ragen vier Kohlefaserarme an denen die Rotoren befestigt sind. Unter den Rotoren sitzen die Füße, auf denen die Drohne startet und landet. An der Vorderseite ragt eine „Lanze“ aus dem Körper, an dessen Spitze die 720p HD Kamera verbaut ist. Natürlich fand ich die Drohne nicht wie auf den Bildern zu sehen in dem Karton. Die geflickte „Lanze“ wurde Opfer des Jungfernfluges. Mehr dazu gleich. Legt man das Fluggerät auf den Kopf, so kann man im Unterboden die Bodenkamera sowie zwei Ultraschallsensoren zur Höhenbestimmung erkennen.

Buddelt man weiter im Karton, so kann man noch die Outdoorhülle, Aufkleber, Akku, Ladegerät und ein Blatt Papier, bedruckt mit Formen für einige Augmented Reality Spiele im Appstore finden. Die Outdoorhülle ist kleiner, leichter und aerodynamisch. Zusätzlich ist an hier ein Magnet angebracht, der die Hülle vor dem ablösen schützt. Das Material der Kappe ist ebenfalls das selbe wie Indoor-Hülle und Grundkörper.

Outdoor

Nutzt man die Hülle, so werden die Rotoren nicht geschützt.
Hier geht man davon aus, dass Draußen wenig Hindernisse
sind, die den Rotoren gefährlich werden können. Zudem ist die große Hülle ein ungewolltes Windsegel. Deshalb macht es schon Sinn die kleine Hülle für Flüge unterm freien Himmel zu wählen. Wer es eilig hat, steckt als erstes den 1000 maH Akku in den Lader. Eine volle Ladung benötigt ca. 1,5 Stunden. Mit dem Originalakku ist eine Flugzeit von 10-12 Minuten zu erwarten. Diese Zeit kann ich auch bestätigen und kann je nach Flugmanövern um 1-2 Minuten variieren.

Wer was zu Basteln erwartet, sucht vergebens. Die Drohne ist komplett montiert und wartet nur darauf, dass der Akku im Grundgerüst unter der Hülle eingesteckt wird. Nach kurzer Bootphase meldet sich die Drohne, indem sie jeden Rotor einmal kurz samt einem akustischen Signal zucken lässt. Um abzuheben brauchen wir aber eine Fernbedienung. Hierzu kann ein iPad, iPhone oder Android Smartphone/Tablet benutzt werden. Man lädt sich aus dem entsprechenden Appstore die offizielle App „FreeFlight“ auf das Smartphone oder Tablet. Auf der Suche nach der App werdet Ihr noch weitere Apps finden, mit denen sich die Drohne steuern lässt, sowie einige AR Spiele. Die App Drone Control bietet z.B. einige Zusatzfeatures. Hier beschränke ich mich aber auf „FreeFlight“ da ist diese bisher am meisten genutzt habe.

Also gut. Akku in die Drohne gesteckt, Zucken abwarten und kurz darauf findet mein Tablet ein neues W-LAN Netzwerk. Das Verbinden funktioniert problemlos. Daraufhin kann die App gestartet werden. Drückt man auf „Take Tour“, so erscheint kurz darauf der Blick des Copters auf dem Bildschirm. Hier können diverse Einstellungen und Höhen- und Geschwindigkeitsbegrenzungen festgelegt werden. Zudem sollte man der Drohne hier sagen, welche Hülle genutzt wird und ob ein Indoor oder Outdoor Flug ansteht. Auch die Steuerungsart kann von Neigung auf Joystick geändert werden. (Mein Favorit ist die Joystick Steuerung mit „absolute control“) Durch absolute control, gibt es kein Vorn oder Hinten mehr. Vorn ist für die Drohne dort, wo der Pilot hinsieht, bzw. sein Bediengerät hinrichtet.

HUD FreeFlight 2.0 Quelle: www.blugadgets.com

HUD FreeFlight 2.0
Quelle: www.blugadgets.com

Der Knopf „Take Off“ tut, was man erwartet. Die Drohne hebt ab und schwebt ca 1m über dem Boden. Ganz ruhig. Wie an einem Gamepad kann man das Fluggerät nun um die eigene Achse drehen, heben, senken und in alle Richtungen neigen um sie zu beschleunigen. Nach kurzer Eingewöhnphase merkt man, wie leicht und genau sich der Quadrocopter steuert. Mit nahezu keinem merkbaren Verzug, vollführt man schnelle Sprints mit abrupten Richtungswechsel, schnelle Höhenwechsel oder Schrauben. Gerade bei Windstille hat man die Drohne präzise unter Kontrolle. Die eingebaute Elektronik sorgt dafür, dass auch bei schnellen Stunts, der Abstand zum Boden gewährleistet bleibt. Ich war sehr beeindruckt, wie flink und wendig das Teil ist und wie gut die Steuerung reagiert. Auch feinste Drehungen und Schwebeflüge sind mit den Joysticks zu realisieren. Das Livebild der Kamera, hat wenig Verzug und läuft recht flüssig. Bei meinen ersten Flügen habe ich allerdings kaum einen Blick auf das Display werfen können. Zuviel Angst hatte ich, die Drohne aus den Augen zu verlieren. Auch bekommt man ein Wegdriften bei leichtem Wind nicht wirklich mit, wenn man die Augen auf dem Display hat und ehe man wieder an den Himmel schaut, ist der Flieger einem Baum schon gefährlich nahe. Womit ich dann auch gleich zu meinem Eingangs erwähnten Jungfernflug komme.

Flug bis auf 15 Meter, riesige Kreise und Bahnen geflogen, alles kein Problem. Dann gings ans Landen, was aufgrund des Lande-Buttons auch recht unkompliziert ist. Leider wehte eine kleine Windböe meine AR Drohne in einen nahestehenden Busch und fiel den letzten Meter ohne Antrieb auf den Boden. Die Rotoren bleiben bei einem Hindernis sofort stehen . Aus meiner Sicht, sah der Absturz sehr harmlos aus. Gerade weil ich vor dem Kauf viele Berichte gelesen habe, in denen die Drohne ohne Schaden zu nehmen, mit Vollgas gegen Hauswände und antriebslos aus 5 Metern vom Himmel fiel, ging ich davon aus, dass ich sofort wieder abhebe. Aber dem war nicht so. Der Schaft der Frontkamera war direkt gebrochen. Nachdem die erste Wut und Trauer überwunden war, überlegte ich mir, ob ich das Teil zurücksende oder repariere. Letztenendes habe ich mich für das Reparieren entschieden. Ein wenig Klebeband und Styroporkleber verhalfen dem Kamerahalter wieder in die ursprüngliche Position. Ich war erleichtert, als ich beim zweiten Flug merkte, dass weder das Bild, noch die Flugeigenschaften beeinträchtigt wurden. Was bleibt ist aber die Enttäuschung über die angepriesene Robustheit des Gerätes. Ein kleiner Trost: Ersatzteile bekommt man recht günstig im Internet. Und hier kann wirklich jedes Teil nachgekauft werden.

Quelle: ardrone2.parrot.com

Quelle: ardrone2.parrot.com

In weiteren Flügen habe ich die Drohne immer im Auge behalten und mir den Blick der Drohne später in der Aufnahme angesehen. Hier hat man die Möglichkeit auf dem Mobilgerät, oder auf einem USB-Stick zu speichern, welcher neben dem Akku eingesteckt wird. Beides habe ich ausprobiert und bin zufrieden mit beiden Möglichkeiten. Die Reichweite ist mit 50 m angegeben. Ausgereizt habe ich das bisher nie. Ca 20m Höhe waren das Maximum, dass ich mir zutraute. Die WLAN Signalstärke wird auf dem Display angezeigt und kann durch Hinterherlaufen wieder verbessert werden.

Um eine der wichtigsten Fragen zu beantworten: Was passiert wenn das WLAN Signal abreißt?

Sollte das die Drohne außer Reichweite des WLANs gleiten, so bleibt sie eine Zeit lang auf der Stelle stehen. Nun hat man Zeit in Richtung des Quadrocopters zu spurten um wieder eine Verbindung aufzubauen. Sollte man nicht nahe genug an die Drohne kommen und wieder ein Signal zu Empfangen oder sich der Akku dem Ende neigen, so beginnt die Drohne selbstständig mit dem Landemanöver. Das ist auf freier Fläche gut und sehr hilfreich. Verliert man das Signal allerdings über einem Hausdach oder einem Gewässer, so kann man sich schonmal Gedanken über die Rettung machen.

Fazit:

Bei all dem Spaß den ich wirklich mit dem Gerät habe, habe ich aber den Anschaffungspreis im Hinterkopf. Ein Spielzeug für knapp 300€, welches immer am seidenen Faden lebt ist ein Risiko. Einmal zuviel Wind, oder zu spät reagiert, kann der Spaß vorbei sein oder zieht zumindest eine Reparatur mit eventuellen Folgekosten nach sich. Nimmt man dieses Risiko allerdings in Kauf und fliegt behutsam, bei windstillem Wetter, so kann ich dieses Fluggerät empfehlen. Der Flug macht Spaß, die Videos sind gut und die Herausforderung, Objekte für ein Video kunstvoll zu umfliegen motiviert ungemein. Auch ein Blick hinter so manch undurchsichtige Mauer kann interessant sein. Legt man sich parallel dazu noch einen 1500maH Akku zu, so hat man gute 25- 30 Minuten Spaß, ehe es wieder in die Ladestation geht. Aber die Wartezeit bis zum nächsten Start kann man mit der Begutachtung des Videomaterials überbrücken. Wer sein Urlaubsgeld diesen Monat in ein ausgeklügeltes Flugsystem stecken möchte, der findet die AR Drone 2.0 bei und Zusatzakkus bei Amazon.

Im Netz finden sich viele Foren und Seiten, die Modifikationen und Erweiterungen mit externen Kameras, wie z.B der GoPro beschreiben. Damit sind glasklare, ruhige Luftaufnahmen möglich.

Wie ich den Pi mit der Drohne abheben lasse, bin ich mir noch unklar. Eine Python Library zur Steuerung der Drohne gibt es allerdings schon…. Dann kann ich meinen PS3 Controller wohl doch noch einmal auspacken 🙂

Zum Schluss noch ein kurzes Video aus der Luft bei leichtem Nieselregen und Windböen. Gefilmt mit der eingebauten Frontkamera.

7 Gedanken zu „Parrot AR Drone 2.0 im Test

  1. hm, ich wollte den Pi schonmal mit einem selbstgebauten Auto auf Reise schicken. Mein Problem: Wo kriegt man einen Batteriesatz fuer den Pi? Mit einer 4.5V Batterie hat es nicht geklappt.

    • Hey Thorsten,
      du brauchst auch ziemlich genau 5V. Am einfachsten geht es mit einer Art "Powerbank" um Handys usw. unterwegs zu laden. Ich habe so etwas mit 3000mAh und damit läuft der Pi auch gut 3 Std.(Ohne Zubehör angeschlossen)
      Schau mal in die Rubrik "Zubehör und Nützliches", da hab ich zB eine kleine "Powerbank" verlinkt.
      Gruß
      Christoph

  2. Ich will ja nicht den Oberlehrer raushängen lassen aber wenn Du das Teil öfters nutzt rate ich Dir eine Haftpflichtversicherung für Flugmodelle abzuschließen ohne die darfst man eigentlich KEIN Flugmodell im Freien aufsteigen lassen Kostet ca. 40€ im Jahr.
    Wenn das Ding auf besagtem Dach runter kommt und irgendwas beschädigt hast Du ohne u.U. ein dickes Problem am Hals.

    Nur zu Deiner Information. Ansonsten gute Beschreibung und nettes Video.

    • Hey,

      darüber bin ich mir doch schon im Klaren 😉

      Hab auch mal mit dem Gedanken gespielt. Die letzten Wochen und Monate bin ich ohnehin nicht mehr abgehoben. Aber ich baue gerade eine kleine Outdoorcam unten drunter. Ich denke, da werde ich wieder öfter fliegen und auch mal über eine Versicherung nachdenken.

      Aber wichtig zu erwähnen ist es auf jeden Fall.

      Gruß

      Christoph

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